Die meisten im Internet zugänglichen Dokumente wurden von den Redaktionen inzwischen wieder gelöscht;
die entsprechenden Links mußten daher inzwischen entfernt werden. Wer an einer Presse-Umschau der Feuilletons interessiert ist,
kann sich an den Autor dieser Website wenden.
Auch die ARD hat sich in ihrem sonntäglichen Kulturmagazin des Gedenktags mit einem Bericht Über Röcken erinnert - hier
der Link: www.das-erste.de/kultur/beitraege/000827_5/default.asp -
eine Bemerkung nebenbei: diese WWW-Seite wurde dort an erster Stelle verlinkt.
Den Text und einen Bericht über die Rede von P. Sloterdijk zum Gedenktag in Weimar finden Sie weiter unten!
Der Gesamttext der Rede wurde in der FAZ vom 28.08.2000 veröffentlicht.
Größere Projekte brachten
SPIEGEL Nr. 34 vom 21.8.2000 S. 190 ff. Johannes Saltzwedel referriert in der SPIEGEL-eigenen
schnodderigen Art Leben, Werk und Wirkung - insgesamt aber lesenswert und in den Wertungen ausgewogen.
Etwas merkwürdig die "Neuentdeckung" von M. Riedel (S. 196), die Nietzsche in die Nähe von Buddha rücken will ...
FOCUS Nr. 34 v. 21.8.2000 S. 80 ff.
Dort hat man sich die Dienste von P. Sloterdijk gesichert, der - wohl im Vorgriff auf seine Weimarer Rede am Todestag - sich in seiner
üblichen Art und Weise ausläßt; er besitzt offenbar immer nur die ganz großen Münzen
"weltbewegender ... Dringlichkeit" - seine im Kern sicher mögliche Interpretation einiger Nietzsche-Ansätze, so etwa als
"starkes psychagogisches Programm für eine Weltzeit posthumanistischer Menschensteigerungsstrategien" verweist deutlich
auf seine Menschenparkrede zurück und bleibt elitär und dunkel.
STERN - die Illustrierte, die sich schon mal an gewissen Tagebüchern versucht hat, bringt gar eine ganze
Serie zu Nietzsche, die in ihrer aktuellen Nummer 34 vom 17.8.2000 zwischen Küchenrezepten und New Economy bereits mit dem 3. Teil aufwartet, der
sich mit dem jungen Baseler Professsor befaßt. Es sind also noch viele Folgen zu befürchten, in denen die Autorin Birgit Lahann im Ton und
in den Wertungen weitgehend Werner Ross ("Der ängstliche Adler") folgt.
Die Ausgabe Nr. 35 vom 24.8. behandelt den Zeitraum von 1873-76 - Heiratsanträge, Wagner (Brahmsepisode und Grundsteinlegung), Rée und Sorrent im
Darüberhinweggreifen jener Kolportagemanier, die man vom STERN erwartet.
Die Serie ist mit den Folgen Nr. 5 und 6 inzwischen abgeschlossen und im Internet
unter www.stern.de/history abrufbar!
Die ZEIT Nr. 35 bringt verschiedene Artikel, die unter den folgenden URLs im Internet abrufbar sind:
Friedrich Nietzsche/ Franz und Ida Overbeck: Briefwechsel
Eine Rezension (dieser und weiterer bedeutsamer Neuerscheinungen) von Ludger Lütkehaus
Richard Rorty:
Ein Prophet der Vielfalt
Alain de Botton (Übersetzung Silvia Morawetz)
Entspannen mit Nietzsche
Daneben hält die Papierausgabe der ZEIT vom 24. August 2000 Nr. 35 auf den Seiten 41-45 weitere Artikel bereit; besonders lesenswert:
- Die Masken der Weisheit von Gianni Vattimao (Prof. f. Philosophie Turin)
- Nichts jenseits des Nihilismus von Jean-Luc Nancy (Prof. f. Philosophie Straasbourg)
- Die falschen Töne der Vernunft von Kenichi Mishima (Prof. f. Sozialphilosophie Osaka)
- Ein Lachen aus der Hölle von Volker Gerhardt (Prof. f. Philosophie an der Humboldt-Univ. Berlin)
- sowie eine weitere Rezension zum Safranski-Buch von Christoph Türcke (s. Buch-Tipp)
- und noch weitere Beiträge
-

Auch die FAZ bringt in ihrer Ausgabe vom 25.08.2000 verschiedene Artikel; so gleich auf der Titelseite
einen lesenswerten Text von Ulrich Raulff über die Rezeption Nietzsches unter dem Titel:
Nietzsche nach hundert Jahren
Weitere Artikel im Feuilleton auf S. 41 ff.:
- Wofür wir Worte haben, darüber sind wir schon hinaus / von Harold Bloom, amerikanischer Literaturwissenschaftler
Was bleibt, ist Geheul - Aber der böse Wolf ist tot: Hundert Jahre ohne Nietzsche, von Durs Grünbein
- Beide lesens- und nachdenkenswert.
Zum Thema passend: Eine Rezension des Buchs von Klaus Goch: "Nietzsches Vater oder Die Katastrophe des deutschen Protestantismus", von F. W. Graf
Der Rezensent resumiert, der "Nutzen" von Gochs Historie liege nur in den seitenlangen Zitaten aus Carl Ludwig Nietzsches Predigten und Briefen.
Die FAZ vom 26./27.8.2000 greift das Thema in einer Sonderbeilage noch einmal auf,
und wieder ist es R. Safranski, der ausführlich zu Worte kommt ...; diesmal betitelt er seinen Text
Um sein Leben denken. Nietzsche - nach hundert Jahren
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG darf nicht fehlen -
in ihrer Ausgaben vom 25.08.2000 bringt sie im Feuilleton (S. 15)
einen großen Artikel von Rüdiger Safranski unter dem Titel:
Geheiligt sei das Leben - Zwischen Prophetie und Propaganda: Nietzsche und die Folgen, 100 Jahre nach seinem Tod
In ihrer Wochenend-Ausgabe vom 26./27.8.200 legt die SZ noch einen drauf: In der Extra-Beilage
finden Sie zwei ausgezeichnete Artikel von Klaus Podak: "Das Erbeben der Epocke" - mit dessen Kernaussagen ich weitestgehend übereinstimme - und
Henning Ottmann: "Nietzsche - Störenfried, Provokateur und Narr" - jedenfalls lesenswert. Als Zugabe eine Auswahl von Fragmenten aus dem Nachlaß
sowie eine kleine Bücherschau. Aus der Ausgabe vom 22.08. findet sich im Internet noch eine Reisebeschreibung zur Weimarer Nietzsche-Ausstellung.
Ein weiteres Großprojekt hat die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG gebracht.
| Ludger Lütkehaus | Die grausame Wiederkehr des Dionysos Friedrich Nietzsche liest Euripides - und antizipiert sein eigenes Geschick |
| Uwe Justus Wenzel | Lebenslinien und Erkenntnisperspektiven Über den «ganzen» Nietzsche |
| Heinz Dieter Kittsteiner | Die unentdeckte Vergangenheit Nietzsche unter den Historikern |
| Barbara von Reibnitz | Ein «Wasservogel auf den Fluten der Gelehrsamkeit» Friedrich Nietzsche in der Altertumswissenschaft |
| Ferdinand Fellmann | Eine deutsche Krankheit Thesen zum neuerlichen Nietzsche-Kult |
| Stefan Breuer | Aufhalten oder beschleunigen? Nietzsche und die intellektuelle Rechte |
| Hubert Cancik | Nietzsche - der Anti-Antisemit? Ein Blick in die Dokumente |
Dank für den Hinweis an Dr. Armin Münch
Bei meiner Partnerseite virtuSens finden Sie hier den Text der Sloterdijk-Rede in Weimar.
DIE WELT berichtet in ihrer Ausgabe vom vom 28.08.2000 über die Weimarer
Gedenkveranstaltung und die Rede P. Sloterdijks folgendes (Autor: Matthias Kamann):
Es gelte, daß Nietzsche in Weimar an dem Ort sei, wo er hingehöre, im Zentrum deutschen Geistes, in der Nachbarschaft Goethes und, etwa in Gestalt des Bauhauses, der Moderne.
Doch statt dass Weimar nun versuchte, jene ungerechte Behandlung wieder gutzumachen, indem man sich ihm affirmativ zuwandte, habe man sich abermals von ihm entfernt. Nietzsche, der so lange in Weimar nicht sein durfte, der er war, sei auch jetzt nicht willkommen geheißen worden. In der Stadt verdeckten die Vorbereitungen für Goethes 251. Geburtstag den Nietzsche-Tag, auf dem Frauenplan fand kein "Zarathustra"-Wettlesen statt, sondern ein Weinfest. Und auch die zuständige Stiftung Weimarer Klassik habe nicht zu ihm gestanden. Der schwarze Theaterkubus an der Ilm, in seiner Mischung aus Behelfsbude und Satanskapelle, habe den passenden Rahmen abgegeben.
Dort habe Peter Sloterdijk "Über die Verbesserung der Guten Nachricht – Nietzsches Überhumanismus" gesprochen. Auch hier keine Annäherung. Bei Sloterdijk freilich sei sie nicht aus Angst unterblieben, sondern aus Desinteresse. Sloterdijk, Häuslebauer der Geistesgeschichte, suche immer nur Steine, um sich Gedankengebäude zu mauern. Er benutze Nietzsche, würdige ihn nicht.
Wo einer spricht, so Sloterdijk, gehe es um Selbstlob: "Die Menschen haben die Sprache, um von ihren Vorzügen reden zu können." Das freilich konnten sie früher, in den hierarchischen Hochkulturen, nicht unverstellt tun. Vielmehr hätten sie, um sich zu erhöhen, Umwege gehen müssen.
Mit dem Selbstlob auf dem Umweg über die Metaphysik habe Nietzsche Schluss gemacht: Er habe mit dem "Zarathustra" sein eigenes Evangelium geschrieben. Das sei nun freilich holzbanal. Denn wenn man Sloterdijks Wort vom Sprechen als stetem Selbstlob ersetze durch die genauere These vom Sprechen als Selbstkonstituierung – dann habe man, was jedes Hauptseminar zum 19. Jahrhundert lehre: Dass nämlich von da an das Ich auf eigene Kosten sprechen, dass Individualität nicht mehr in Anlehnung an Metaphysik oder Hierarchie, sondern nur aus dem Autor heraus gebildet werden könne.
Absolut unoriginell seien auch die Folgerungen, die Sloterdijk gezogen habe. Dass einer, der auf eigene Kosten spreche, sich verausgaben müsse, weil er keine Anleihen bei anderen machen könne, so dass er, finanztechnisch gesprochen, zum steten Sponsor werde – das habe schon Georges Bataille festgestellt. Genauso, dass Nietzsche dabei nicht als protzender Magnat auftrete, sondern den Reichtum nur habe, weil er sich durchdringen lasse vom Reichtum des Lebens. Und was dann Sloterdijk als besondere Pointe verkauft habe: dass nämlich Nietzsche durch sein Schöpfen aus sich heraus zum Trenddesigner des Individualismus werde und das Sprechen in Selbstreklame verwandele – ja wer wollte das bestreiten? Aber was sage das über Nietzsches Denken aus, seine originäre Leistung?
So sei also Nietzsche in Weimar so gut wie nicht vorgekommen. Die einen hätten ihn aus Scheu umgangen, der andere, Sloterdijk, habe ihn zum Stichwortgeber seiner blassen Geschichtsphilosophie herabgewürdigt. Was begangen worden sei in Weimar, sei nicht Nietzsche, sondern die Unfähigkeit der Deutschen gewesen, sich einem ihrer faszinierendsten Denker zu nähern.
 Sloterdijk bei seiner Weimarer Rede
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Titelzeile des ersten NN-Artikels: "Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit"
Der "Meister des gefährlichen Denkens" trug viele Masken:
Zum 100. Todestag des Philosophen Friedrich Nietzsche / von Bernhard Windisch
Titelzeile des zweiten NN-Artikels: "Vordenker der Nazis" auf dem Index
Nietzsche und die DDR: Das andere Deutschland rehabilitierte den spätbürgerlichen Philosophen erst sehr spät. /
von WOLF SCHELLER
Titelzeile der AZ: "Auf die Verzückungsspitze"
- eine Rezension der neuen Safranski-Biografie (s. Buchtipp)
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