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Nietzsches Geburtsort: Röcken

1. Gefahr für Nietzsches Kirchturm: Spendenaktion zur Sanierung
2. Zum 200. Geburtstag von Carl Ludwig Nietzsche: Restauration der Grabstätte in Röcken
3. Nietzsches Röckener Grab durch Braunkohleabbau (nicht mehr!) gefährdet.
4. Neue Bilder aus Röcken (2005)
5. Neu-Einweihung der Gedenkstätte in Röcken
6. Neu: Der junge Nietzsche - ein Vortrag
7. Aufruf zur Unterstützung der Röckener Gedenkstätten
8. Bedenkliches Nietzsche-Denkmal an der Röckener Kirche
9. Kommentiertes Video (WMA) Röcken (ARD) 627 KB


Postkarte von Röcken aus dem Jahr 1929
mit Dank an Jens Dechering, Leipzig

Carl Ludwig Nietzsche, der Vater Friedrichs und studierter Theologe, war zunächst Erzieher der Prinzessinnen in Altenburg am herzoglichen Hof. 1842 erhielt er "auf allerhöchsten Befehl" des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. die Pfarrstelle im Dorf Röcken bei Lützen in der Provinz Sachsen, und gründete dort zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern einen eigenen Hausstand.


Carl Ludwig und Franziska Nietzsche, Friedrichs Eltern

Am 10. Oktober 1843, seinem 30. Geburtstag, heiratete er die aus dem nahen Ort Pobles stammende Tochter seines Amtsbruders David Ernst Oehler, die damals 17-järige Franziska Oehler. Am 15. Oktober 1844 wurde beiden dann der Sohn Friedrich geboren.

Röcken liegt auf dieser Karte recht genau in der Bildmitte links unterhalb von Lützen, wie die nächste Karte zeigt.
Naumburg, den späteren Wohnsitz der Familie nach dem Tod des Vaters, finden sie wiederum ein Stück links unterhalb. Schulpforta, die höhere Schule Friedrich Nietzsches, liegt nahe Naumburg an der Saale. Auch Altenburg, der frühere Dienstort des Vaters, ist rechts unten zu sehen.

Hier ist das Dorf Röcken links unterhalb von Lützen abgebildet.

Röcken ist eine kleine Landgemeinde mit ca. 170 Einwohnern und liegt direkt an der Bundesstraße 87 zwischen Leipzig und Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt.
Geburtshaus, Taufkirche, Dorfschule, Grabstätte und zwei Nebengebäude sind noch heute wenig veränderte steinerne Zeugen aus Friedrich Nietzsches Zeit.
Am 15. Oktober 1844 wurde Friedrich Nietzsche in Röcken als erstes Kind des protestantischen Landpfarrers Karl Ludwig Nietzsche und dessen Ehefrau Franziska geboren. Hier auf dem Lande verlebte er die ersten Jahre seiner Kindheit in der Obhut von Vater, Mutter, Großmutter und Tanten. Seit Oktober 1849 erhielt er beim Lehrer Dathe in der Röckener Dorfschule ersten Unterricht.


Das Innere der Röckener Kirche

Als der Dichter-Philosoph in der ehemaligen DDR zum Vorläufer des Nationalsozialismus reduziert wurde, zog Nietzsches Grab in Röcken immer wieder interessierte Besucher an. Es erfuhr eine stille Duldung und wurde 1987 sogar unter Denkmalschutz gestellt. Die vielen Besuche, die oftmals im Dorf nach dem Weg zur Grabstätte fragten, hielten örtlich die Erinnerung an den berühmten Sohn wach. Dennoch war Nietzsche vermutlich in der Welt bekannter als in seinem mitteldeutschen Herkunftsraum.

Wende und Wiedervereinigung ließen den Weg frei werden für eine offenere Auseinandersetzung mit Nietzsches Leben und Werk, auch vor Ort. Am 25. August 1990 luden die kommunale und die Kirchengemeinde gemeinsam zu einer Gedenkveranstaltung anläßlich des 90. Todestages von Friedrich Nietzsche in die Röckener Kirche ein.

Zum 150. Geburtstag Nietzsches am 15. Oktober 1994 trafen sich in Röcken zahlreiche Gäste zu einer Kranzniederlegung und Gedenkveranstaltung am Grab, deren Vorträge in der Jahresschrift Nietzscheforschung (Band 2, Berlin 1995) veröffentlicht sind.

Aus diesem Anlaß wurde unweit des Geburtshauses eine museale Stätte eröffnet. An der Entstehung und Konzeption der Dauerausstellung »Friedrich Nietzsche in Röcken« war die Förder- u. Forschungsgemeinschaft Friedrich Nietzsche e.V. maßgeblich beteiligt. Die schlichte Ausstellung bietet zusammen mit Geburtshaus, Taufkirche, Dorfschule und Familiengrab ein museales Ensemble, welches einen Einblick in die Erlebniswelt der ersten Kindheitsjahre gibt.


Röckener Kirche und Pfarrhaus


Das Grab in Röcken

Anläßlich meiner Reise im August 2000 nach Röcken kann ich Ihnen einige eigene Fotos von Pfarrkirche, Geburtshaus und dem Grab Nietzsches zeigen.

Hier zunächst die Lage der Gräber an der Kirche: auf dem Bild links der erste liegende Stein ist das Grab Nietzsches, in der Mitte (nach deren eigenem Willen ...) das Grab der Schwester Elisabeth, rechts daneben die Eltern beider.


Gräber und Pfarrkirche (HW 2000)

Auf dem folgenden Bild links sehen Sie die Rückseite des Pfarrhauses des Vaters von Friedrich Nietzsche, das zugleich sein Geburtshaus ist, im Vordergrund ein Teil des Wehrturmes der Pfarrkirche, deren erste Bauteile bis auf das 12. Jahrhundert zurückgehen; das rechte Bild zeigt den jetzigen Zustand des Grabes von Fr. Nietzsche.


Geburtshaus und Wehrturm (HW 2000)


Der derzeitige Zustand des Grabes (HW 2000)


Zum 200. Geburtstag von Carl Ludwig Nietzsche: Restauration der Grabstätte in Röcken
Bericht der Mittelduetschen Zeitung im Internet vom 8.10.2013 (HEIKE RIEDEL)

Zum 200. Geburtstag wird die Grabstätte von Carl Ludwig Nietzsche (10. Oktober 1813- 30. Juli 1849) in Röcken restauriert. Zum Jubiläum wurde auch die dazugehörige Nietzsche-Gedenkstätte zu Ehren des Sohnes Friedrich Nietzsche wieder hergestellt.

Die MZ zitiert Nietzsche über seinen Vater: "Ich betrachte es als ein großes Vorrecht einen solchen Vater gehabt zu haben...", ist in dem benachbarten kleinen Museum ein Satz von Friedrich Nietzsche zu lesen. Der Ahnentafel dort voran steht ebenfalls ein Satz des Philosophen: "Man ist am wenigstens mit seinen Eltern verwandt..."

Den gesamten Artikel können Sie hier bei der MZ nachlesen.


"Der nackte Wahnsinn" ?

In ihrer Ausgabe vom 8. November 2000 auf Seite 72 berichtet die FAZ von der Neuaufstellung eines Denkmals in Röcken, direkt neben der Kirche, an der Nietzsches Vater Dienst tat. Untertitel: "Friedrich Nietzsche erscheint dreimal an seinem Grab" - so die "Idee" des Bildhauers Klaus Friedrich Messerschmidt, der im nahen Wölkau lebt. Wenn dann sowohl die Merseburger Superintendentin Annette-Christine Lenk als auch der Gemeindekirchenrat die Aufstellung eines solchen Denkmals begrüßen, so stimmt das, neben der tiefen Ratlosigkeit, die mich als erstes bei diesem Anblick anfiel, zunächst einmal vor allem bedenklich ...


Das "Denkmal" von Klaus Friedrich Messerschmidt
auf der dem Nietzsche-Grab gegenüberliegenden Seite der Röckener Kirche
zur Örtlichkeit siehe das Bild direkt darüber links
Foto: FAZ - Gert Mothes

In der Zwischenzeit bin ich in dank meiner Leipziger Freunde von virtuSens, Mike Wolke und Jens Dechering, denen mein Dank gilt, in der glücklichen Lage, neueste Farbfotografien dieses "Maloptikums" vorzustellen - machen Sie sich selbst ein Bild! Vielleicht haben Sie Lust, Ihre Meinung dazu zu äußern? Kein Problem, gehen Sie einfach auf die Umfrage-Seite, Ihre Meinung wird dann neben den dazu bereits vorhandenen Beiträgen auf dieser Umfrage-Seite veröffentlicht!




Farbfotos: Virtusens

Die nachgebildete Grabplatte und die lebensgroßen Figuren sind mit Autolack weißlackierte Bronzen; eine Scheinlegitimation borgt sich der Bildhauer aus dem Wahnbrief Nietzsches an Jacob Burckhardt (5. Januar 1889): "In diesem Herbst war ich, so gering gekleidet als möglich, zweimal bei meinem Begräbnisse zugegen, zuerst als als conte Robilant (- nein, das ist mein Sohn, insofern ich Carlo Alberto bin, meine Natur unten) aber Antonelli war ich selbst." Das Nietzschesche "gering gekleidet" als Nacktheit zu interpretieren geht am Text vorbei und überschreitet die "künstlerische Freiheit" um einer oberflächlich-sensationsgierigen Geschmacklosigkeit willen, ohne aus sich heraus Sinn zu machen.
Auf der Grabplatte sind nicht nur die Inschrift wie am echten Grab auf der anderen Kirchenseite, sondern auch jene Namen und Titel zu sehen, die sich Nietzsche in seinen Wahnzetteln gab, wie "Dionysos", "Caesar", "Nur Narr" u.a. Des weiteren hat Messerschmidt die berühmte Fotografie - der geisteskranke Nietzsche am Arm seiner Mutter spazierengehend - nachgebildet, die Aufstellung der Figurengruppe soll wohl den Eindruck vermitteln, daß sie das Grab zu besuchen scheinen. Was will, was kann uns das sagen?
Hier tauchen nun wieder meine eingangs geäußerten Bedenken auf, wenn selbst "Mutter Kirche" zu diesem "Röckener Bacchanal" (FAZ) ihren Segen gibt: Ist diese Darstellung nicht auch eine Art Heimholung Nietzsches? Nackt und bloß, Staub zu Staub, am Arm der gottvertrauenden Mutter - ist es wirklich das, wie Nietzsche sich sah?! Oder nicht vielmehr das genaue Gegenteil, ein bitteres Unrecht an dem Philosophen, den nicht nur die Geisteskrankheit niederschlug, an die hier erinnert wird, sondern der zuletzt auch noch und bis heute dem "erbarmenden Mitleid" derjenigen nicht zu entkommen vermag, gegen die er seinen antichristlichen Fluch schleuderte. Welch Paradox.


Vor Nietzches Grab

von
Antonio Foggi (Italien)

Übertragung ins Deutsche und Englische:
Ingrid Schwägermann (Edmonton/Kanada)

Tutti "avrebbero voluto salvare Nietzsche",
quelli che vissero ai suoi tempi,
quelli che vissero dopo,
e tutti quelli che avranno sempre
a che fare con lui.

Alle "wollten Nietzsche erlösen",
Jene, die zu seiner Zeit lebten,
Jene, die danach lebten,
Und alle jene, die auch immer
Mit ihm zu tun haben werden.

Quello "scemo" di George,
una volta, a suo riguardo, disse :
"Er hätte singen [.....], nicht sprechen sollen..." ,
avrebbe dovuto esser poeta, non filosofo.

Jener "Narr" von George,
Sagte einmal, ihn betreffend:
"Er hätte singen [….], nicht sprechen sollen...",
er hätte ein Poet sein sollen, kein Philosoph.

Io, "peggior scemo" di lui,
gli dedico una stupida riflessione
che feci tempo fa per me stesso :
io amo il rosso
perché è il colore del comunismo
e dell’ amore,
due cose
che mi mancano terribilmente
di questi tempi.

Ich, "ein schlimmerer Narr" als er,
Hab’ ihm eine einfache Reflexion gewidmet,
Die ich für mich gemacht hatte:
Ich liebe rot,
Sowohl die Farbe des Kommunismus
wie der Liebe,
Zwei Dinge,
Die mir an den heutigen Zeiten
Furchtbar abgehen.

Così,
anche se adesso non so,
se Ti si debba salvare
dall’inferno, dal purgatorio
o dal paradiso,
però so sicuramente
che sarebbe già tanto,
anzi, tantissimo,
se, dal Tuo infame
e penosissimo destino,
Tu tornassi ad amare il mondo
e la sua gente.

So
Weiss ich auch jetzt nicht,
Ob man dich retten muss
Vor der Hölle, vor dem Fegefeuer,
Oder vor dem Paradies,
Aber ich weiss sicher,
Dass es schon viel wäre,
In der Tat, sehr, sehr viel,
Falls Du aus Deinem Unheil
Und peinerfüllten Geschick
Zurückgekehrt wärst, um die Welt zu lieben
Und ihre Menschen.

Riposa in pace,
per quanto Tu ci riesca,
mon pauvre ami!

Ruhe in Frieden,
so weit er dir gegeben sein wird,
Mein armer Freund!

At Nietzsche’s Grave
By
Antonio Foggi (Italy)

All “wanted to save Nietzsche”,
Those who lived in his time,
Those who lived after,
And all those who ever
Will have anything to do with him.

That “fool” by the name of George
Once said, concerning him:
“He should have sung [….], not spoken …”,
He should have been a poet, not a philosopher.

I, “a worse fool” than he,
I have dedicated a simple reflexion to him,
That I had made for myself:
I love the color red,
Both the color of communism
And of Love,
Two Things
That I miss terribly
In our times.

Thus,
Also now, I do not know
If one has to save you
From hell, from purgatory,
Or from paradise,
But I know certainly
That it would already have meant a great deal,
Indeed, a tremendously great deal,
If you would have returned from your infamy
And pain-stricken fate
In order to love the world
And its people.

Rest in peace
so far you may reach,
My poor friend.


Aufruf zur Unterstützung der Röckener Gedenkstätten

In diesen Tagen wird darüber entschieden, ob die Gedenkstätte ausgebaut werden kann, was bei den bisherigen spartanischen Bedingungen schwierig ist. Um dieses Projekt zu unterstützen, haben meine Partner von virtuSens die Aktion Freunde von Röcken ins Leben gerufen. Informieren Sie sich mit dem folgenden Link, was Sie selbst tun können!

Freunde von Röcken bei virtuSens


Neu-Einweihung der Gedenkstätte in Röcken





Neue Bilder aus Röcken (2005)



Treten Sie ein!


Kirchturm und Figurengruppe

Herrn Dr. Bodo Krug gilt mein herzlicher Dank für die hier zu sehenden neuen Fotografien aus Röcken, wie sich Kirche, Gräber und Gedenkstätte derzeit darstellen. Letztere wurde, wie oben zu dargestellt, ja erst 2003 eingeweiht, und auch das kontrovers diskutierte "Denk-Mal" (s.o.: "Der nackte Wahnsinn") ist nach wie vor vorhanden. Insgesamt ist es aber doch gut festzustellen, dass sich auch in Röcken nunmehr einiges tut, um das Gedenken an Nietzsche wachzuhalten und für die Öffentlichkeit die Gedenkstätte entsprechend auszubauen und zu unterhalten. Wenn Sie in der Nähe sind, fahren Sie mal vorbei, es lohnt sich.

Die hier nur klein abgebildeten Fotografien können Sie anklicken, um eine Vergrößerung zu öffnen.


Die Übersicht


Die Gräber


Die Figurengruppe

In der Gedenkstätte



Nietzsches Röckener Grab durch Braunkohleabbau gefährdet!

Sogar der SPIEGEL berichtet in seiner Ausgabe Nr. 51/2007 in einem Gespräch mit dem Schauspieler Peter Sodann darüber (S. 157): "Der sachsen-anhaltinischen Gemeinde Röcken droht ein Braunkohle-Tagebau. Hunderte Bewohner müssten umziehen, die Gebeine Friedrich Nietzsches umgebettet werden." Mit vielen anderen wehrt sich Peter Sodann dagegen: "Friedhöfe sind wichtig für unsere Identität. Wir dürfen sie nicht umschaufeln und so die alten Seelen vernichten."

Einen weiteren ausführlichen Bericht von Dörthe Stanke bringt die Leipziger Internet-Zeitung vom 20.12.2007 unter der Überschrift "Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat: Burgenlandkreis bekennt sich trotz Bürgerprotesten zu Kohleabbau":

Bali hin oder her, auch wenn Deutschland im Ausland gern seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz hervorhebt, zu Hause wird weiter auf Energiegewinnung aus Braunkohle gesetzt. Zum Beispiel in Leipzigs unmittelbarer Nachbarschaft. Am Montag, 17. Dezember, stimmte der Kreistag des Burgenlandkreises in Naumburg mit deutlicher Mehrheit gegen einen Antrag der Fraktion der GRÜNEN, zukünftig auf den Ausbau der Braunkohleförderung zu verzichten.
Gut 200 Demontstranten, die sich in bitterer Dezemberkälte vor dem Landratsamt versammelt hatten, um gegen den drohenden Verlust ihrer Heimat durch neue Tagebauerschließungen zu protestieren, konnten die Kreisräte nicht umstimmen.
Hintergrund des Protestes ist die geplante Errichtung eines neuen Braunkohlenkraftwerkes mit einer Leistung von rund 660 Megawatt in Profen bei Zeitz. Bauherr des Kraftwerkes wäre die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG), die im Leipziger Südraum den Tagebau Vereinigtes Schleenhain betreibt. Nach MIBRAG-Plänen soll das neue Kraftwerk 2012 ans Netz gehen.
Da es unwirtschaftlich ist, Braunkohle aufgrund ihres hohen Wassergehaltes über weite Strecken zu transportieren, werden Braunkohlenkraftwerke immer in unmittelbarer Nähe der Tagebaue errichtet. Um das neue Kraftwerk in Profen mit Kohle versorgen zu können, wäre es notwendig, in der Region zwischen Lützen, Zeitz und Weißenfels einen neuen Tagebau aufzuschließen. In der Konsequenz würde das für zahlreiche Ortschaften im Burgenlandkreis bedeuten, dass sie weggebaggert würden. Seit Juli 2006 führt die MIBRAG Probebohrungen in den bei Lützen gelegenen Gemeinden Röcken und Sössen durch, um das dortige Braunkohlevorkommen zu erkunden.
...
Mit der Gemeinde Röcken würde übrigens auch die Heimat von Friedrich Nietzsche untergehen. Dort wurde der Philosoph 1844 im Pfarrhaus geboren und 66 Jahre später neben der Kirche begraben. Sein Gedicht "Vereinsamt", das im Lichte der drohenden Entwicklungen im Burgenlandkreis eine ganz neue Lesart bekommen hat, wirft einen düsteren Schatten auf das Votum des Kreistages:

Vereinsamt
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!

Weitere Berichte bringen nunmehr auch die FAZ vom 25.03.2008 im Internet (Matthias Grünzing)
unter der Überschrift: "Wer schützt Nietzsches Grab?"

sowie die Süddeutsche Zeitung vom 26.03.2008 im Internet
Auch SPIEGEL Online (Holger Dambeck) hat das Thema nun aufgegriffen unter dem sinnigen Titel: "Also sprach der Baggerfahrer" unter natürlich mit der typischen SPIEGEL-Pointe, dass Nietzsche die Bagger wohl willkommen geheißen hätte ...


Nietzsche-Stätten müssen doch nicht weichen

Wie die österreichische Zeitung Der Standard als erste am 04.04.2008 via Internet meldet, werden die Nietzsche-Stätten in Röcken nun doch nicht abgeräumt:

Kohle-Abbau in Sachsen-Anhalt ad acta gelegt - Geburtshaus und Grab des Philosophen bleiben erhalten
Röcken/Magdeburg - Geburtshaus, Taufkirche und Grab des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) in Röcken bleiben erhalten und müssen nicht der Braunkohle weichen. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft Mibrag habe ihre Überlegungen, in dem Ort im südlichen Sachsen-Anhalt Kohle abzubauen, aus wirtschaftlichen Gründen ad acta gelegt, teilte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff am Freitag in Magdeburg mit. "Das ist eine gute Entscheidung", sagte er nach Ministeriumsangaben.

Auch SPIEGEL Online berichtet dann am 7.4. über die neue Wendung: "Nietzsche wird nicht verkohlt. Also sprach der Bergbau-Manager: Das Geburtshaus und die Grabstätte des Philosophen Friedrich Nietzsche im sachsen-anhaltischen Röcken bleiben erhalten."



Gefahr für Nietzsches Kirchturm
Meldung MZ-WEB vom 05.03.2014

Risse im Kirchturm in Röcken fordern Maßnahmen zur Stabilisierung. Die Kosten werden mit 64 000 Euro angesetzt, wovon 16 000 Euro durch Spenden erschlossen werden müssen. Bekanntheit erlangte das Bauwerk durch seine Verbindung zu Friedrich Nietzsche.
Die Einzelheiten finden Sie hier bei MZ-WEB


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